5.2.  Relevanz in Bezug auf die Fragestellung

 

Übertrage ich diese Grundlagen nun auf die Fragestellung dieser Arbeit, so kann man sich eine Rivalität erst einmal nicht vorstellen, denn ein Lied wird ja nicht schlechter, nur weil es noch von vielen anderen Menschen irgendwo auf der Welt gehört wird. Zunächst gab es aber eine Ausschließbarkeit im Konsum, denn jeder, der die Musik hören wollte, musste den entsprechenden Tonträger kaufen oder von jemandem ausleihen. Doch geht es hier nicht um den Tonträger an sich, sondern um seinen Inhalt. In der ursprünglichen Form ist diese Differenzierung etwas schwierig vorstellbar, jedoch zeigt obige Tabelle, dass auch bei CDs nur ein geringer Teil der Wertschöpfung auf die Produktion des Trägers entfällt. Mit dem Aufkommen von Tonbandgeräten und später den Kassetten wurde es möglich, die Tonträger zu kopieren. Allerdings war dies auch aus technischer Sicht nur im kleinen Umfang möglich, da man immer eine Kopiervorlage benötigte. Wollte man einen Tonträger millionenfach kopieren und verteilen, so war dies nur mit einem enormen Organisationsaufwand möglich. Und um Urheber von Privatkopien zu entlohnen, wurde die Leermedienabgabe eingeführt. Dennoch konnten aus oben genannten Gründen hinreichend viele Originaltonträger abgesetzt und die hohen Fixkosten wieder eingetrieben werden.

Doch seit 1999 ermöglichen es nun die Tauschbörsen, dass Musik auch von Privatanwendern ohne großen Aufwand kopiert werden kann. Man musste nicht mehr im Bekanntenkreis fragen, ob jemand die gewünschte CD hat und einem zum Kopieren leihen könnte, sondern brauchte nur noch den Titel in das Suchfeld eines Programmes eintragen, und bekam schnell ein Ergebnis. Da hier die Zahl der Angesprochenen deutlich größer war als im Freundes- und Bekanntenkreis stieg die Wahrscheinlichkeit, dass Gewünschte zu finden. Zudem stand man nicht länger als Bettler da, der sich seine CDs nicht selbst kaufen konnte oder wollte, und die begehrten Daten liefen einfach, schnell und bequem zu Hause auf dem Rechner ein. Wie schon erwähnt begannen sich die Inhalteverwerter zu wehren. Sie versuchten, die Ausschließbarkeit wieder herzustellen bzw. sie zu erhöhen, indem sie gegen Tauschbörsen und später auch gegen deren Nutzer klagten und Kopierschutzverfahren entwickelten.

Auch wenn immer noch Tonträger verkauft werden, so gibt es aber erhebliche Probleme bei der Sicherstellung der Ausschließbarkeit, so dass Informationen zum öffentlichen Gut geworden sind. Die Unternehmen haben also hohe Ausgaben getätigt, um Informationen zu erstellen, und können diese nun nicht mehr im bisherigen Maße zurückerwirtschaften, was verständlicherweise zur Unzufriedenheit führen musste. Das Kapitel 7.1 der vorliegenden Arbeit wird sich deshalb damit befassen, wie hoch die Einbußen tatsächlich sind und was man unternehmen könnte, um ein ausreichendes Informationsangebot sicherzustellen. Kurz gesagt, es bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder man findet eine Geschäftsstrategie, um die Erstellungskosten zu decken, oder ruft nach dem Staat. Eine Marktweisheit möchte ich jedoch hier schon anführen. Laut Shapiro sei ein frühes Eintreten in den Informationsmarkt der beste Weg zu einer Führungsposition.3 Eine Meldung vom 06.11.2001 kündigt den ersten kommerziellen Musikdownloadanbieter an.4 Napster gab es nun aber in seiner ursprünglichen Version schon seit Mitte 1999, so dass sich die Tauschbörsen ihre Vorsprungsposition auf dem Downloadmarkt bereits gesichert hatten. Auch eine weitere Quelle sieht einen großen Fehler darin, dass die Musikindustrie lange Zeit nicht reagiert und keine legalen Downloadangebote geschaffen hat.5

3vgl.: Shapiro, Carl und Varian, Hal R.: Information Rules - A Strategic Guide to the Network Economy. McGraw-Hill Professional, New York 1999, S. 30

4vgl.: o.V.: Erster kommerzieller Musik-Download-Service. Netzartikel vom 06.11.2001. online: http://www.tecchannel.de/news/themen/business/409676/(01.04.2008 00:50)

5vgl.: o.V.: Zur Pressekonferenz „Erfolgsmodell Hörbuch - Liegt die Zukunft im Netz?” am 19.10.2005 bei der Frankfurter Buchmesse. Netzartikel vom 22.10.2005 (10:38). online: http://www.hoerbuch-blog.de/category/zum-internationalen-hoerbuchmarkt/(01.04.2008 01:00)

 

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